Narrenumzug auf schwäbisch

Narrenumzug der schwäbischen Fasenacht

Endlich konnte ich mal einem Narrenumzug der schwäbisch-alemannischen Fastnacht zuschauen. Über die Karnevalszeit, wie es bei uns in Münster heißt, war ich zu Besuch auf die Schwäbische Alb gereist. Das passte genau zu dem Veranstaltungstermin des Narrenumzugs in dem kleinen, über 1.100 Jahre alten Dorf Eglingen: keine 500 Einwohner, viel wunderschöne Landschaft und liebenswerte Menschen eng verbunden mit dem Brauchtum der schwäbischen Fasenacht. 50 Narrengruppen marschierten durch das kleine Dorf. Die Stimmung war begeisternd.

Narrengruppe, Fasenet, Narrenhäs, NarrenumzugAlles was irgendwie laufen konnte war dabei, die Kleinsten wurden im Kinderwagen geschoben, in Narrenhäs gekleidet wohlgemerkt. Mal spritzt-e Wasser auf uns Zuschauer, es wurde auch schon mal eine Mütze weg geschnappt oder ein Schnürsenkel ausgefädelt. Eine Hexengruppe mit Teppichklopfern ausgestattet, pirschte sich immer wieder von hinten an die Zuschauer heran und wenn man nicht aufpasste, hatte man schon einen Klapps auf den Allerwertesten bekommen.

Vor allem die kleinsten Zuschauer bekamen Bonbons zugeworfen oder einzeln überreicht von einer Hexe – das macht schon Eindruck.

Fasenacht

Fasenacht, Hexen, Narrenzunft, NarrenumzugAls schwäbisch-alemannische Fastnacht oder auch Fasenacht, Fasenet wird die Fastnacht im südwestdeutschen Raum und Teilen der Schweiz bezeichnet. Viele Orte besannen sich im 20.Jahrhundert auf ihre Fastnachtstraditionen aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit. Typisch sind die Verkleidungen der Teilnehmer mit Masken, meist aus Holz geschnitzt. Die Kostüme, das Narrenhäs (schwäbisch = Oberbekleidung) wird jedes Jahr wieder getragen, in manchen Orten ist es üblich das Narrenhäs über Generationen zu vererben.

Die schwäbisch-alemannische Fastnacht wurde 2014 in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes im Sinne des Übereinkommens zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.

 

Ablauf der Fastnacht – Narrenumzug

Am Dreikönigstag, dem 6. Januar wird die Fasenet zum Leben erweckt “Häserweckung” und in vielen Orten lautstark mit Karbatschen und Schellengeläut gefeiert. Manche Narrenzunft klopft mit Fuhrmannspeitschen mit lautem Knall auf die Straßen. Die Narrenkleidung wird ausgiebig gereinigt, in Rottenburg ziehen die Hexen von Wirtshaus zu Wirtshaus um Gäste und Einrichtungsgegenstände gründlich zu reinigen.

Fasenacht, Narrengruppe, Masken, Hexen, NarrenrufIn geselligen Narrenzusammenkünften wird das Programm der aktuellen Fasenacht verkündet. Seit einigen Jahrzehnten finden an wechselnden Orten die sogenannten Narrentreffen statt. Es sind große Zusammenkünfte tausender Narren, die immer an den Wochenenden nach Dreikönig stattfinden.

Mit dem schmotziga Doschtig beginnt die eigentliche Fastnachtszeit am Donnerstag vor Aschermittwoch. Der Name kommt daher, dass am Donnerstag vor Aschermittwoch der letzte Schlacht- und Backtag vor der Fastenzeit war. An diesem Tag wurde nochmals alles mögliche Vieh zu Fleisch und Wurst verarbeitet, es war ein fetter = schmotziger Donnerstag.

Der Narrenumzug findet in den einzelnen Orten an verschiedenen Tagen statt immer um den “schmotziga Doschtig” herum. Schon früh morgens ziehen die Lomba zum Fasnetswecker durch den Ort, unterstützt durch befreundete Narrenzünfte, Musikkapellen, Trommel- und Laufgruppen. Am schmotziga Doschtig wird der Schultes der Gemeinde (=Bürgermeister) abgesetzt. Freitags darauf werden die Schüler befreit und der örtliche Kindergarten besucht. Am Fasnetsdienstag ist alles zu Ende und die Fasenet wird unter Heulen und Wehklagen begraben.

 

Narrenrufe

Fasenacht, Narrengruppe, Hexen, Masken, NarrenrufTraditionell grüßen die Narren mit einem Juchzen als spontaner Ausdruck der Freude. Der bekannteste Ruf der schwäbisch-alemannischen Fasnet, den sich Maskierte und Zivilisten zurufen, ist „Narri-Narro“. Die Narrenrufe sind sehr individuell und unterscheiden sich von Zunft zu Zunft. Sie sind zum Teil zum Identifikationsmerkmal der Orte geworden. In Eglingen gelt der Ruf “Hendersche – Fiesche” lautstark durch den Ort. Die Narren rufen , die Zuschauer antworten nicht weniger laut zurück. Manch ein Narr wird schon während des Umzugs heiser hinter seiner Maske verstummen.