Der Cilento ist meine zweite Heimat

Nur noch wenige 100 Meter und die germanwings Maschine setzt zur Landung im Flughafen Neapel an…endlich…

Vorfreude auf den Cilento

Voller Vorfreude genieße ich die fantastische klare Sicht auf Neapel. Mit 1 Million Einwohner ist die Stadt riesig, insgesamt sind es 4,4 Millionen inkl. der Vororte. Ich sehe Gassen in der Altstadt, die zu geheimen Kirchen und Katakomben führen und wo sich auch die Mitglieder der Camorra, die Schattenseite Neapels, aufhalten.

Ob der Schönheit Neapels heißt es: „Napoli vedere e morire“, Neapel „sehen und sterben“. Eine Million Einwohner finden am Flughafen von Neapel ihr Ventil. Die Einreisenden mit freudig erwartungsvollen Gesichtern, die Abreisenden haben, so finde ich, eher traurige Mienen. Das Gewusel scheint kein Ende zu nehmen, Familienmitglieder begrüßen sich, Liebende fallen sich um den Hals, kleine Kinder sind ungehalten ob der langen Anreise, Reisende maulen, weil das Gepäck mal wieder nicht kommt. Und alles geschieht gestikulierenderweise…Napoli canta!

antikes Bauwerk beim Yoga Urlaub im CilentoBlick auf den Hafen San Marco beim Yoga Urlaub im Cilento

 

Entlang der Küste nach Castellabate

Und dann mache ich mich mit einem Mietwagen (Fiat 500) auf den Weg. Werfe einen Blick auf den Vesuv . Er zeigt sich dunkel und bedrohlich, ihm zu Füßen Pompeji, das 79 n. Christi verschüttet wurde. Und dann rechts das vielbesungene Capri, die Insel der Reichen und Schönen. Aus der Ferne liegt die Insel hübsch grün und entspannt im Meer. Aber nur scheinbar, 3 Millionen Besucher kapern die Insel jährlich.

Castellabate, Cilento, Süditlaien, Mein Ziel ist die Gemeinde von Castellabate in Kampanien, 120 km südlich von Neapel gelegen. Ich wähle dieses Mal die Route entlang der Costiera Amalfitana, der schönsten Küste der Welt. Der Weg ist der längere, aber auch der schönere. Früher habe ich als Reiseleiterin große Reisebusse entlang der Amalfitana begleitet. Fast in jedem der Orte, die sich an den Berg schmiegen, mussten wir anhalten, damit die kleinen Läden ihre Waren von der Straße räumen, da ansonsten der Bus einfach nicht passieren konnte. Gleichzeitig konnte ich neue Bekanntschaften machen.

Die Amalfiküste überrascht mich immer wieder aufs Neue: Die steil aufragenden Felsen, die zerklüfteten Ufer mit ganz vielen kleinen Stränden und die an die Küste gegossenen pastelligen Fischerdörfchen. Elegante Villen wechseln mit Zitronenhainen und Weinbauterrassen.

In Vietri sul Mare (tolle einheimische Keramik) verlasse ich die Küste und fahre an Salerno vorbei, weiter Richtung Süden. Eine halbe Stunde später sehe ich Paestum, die besterhaltenste griechische Tempelanlage, so heißt es. Sie sind so gut erhalten, dass die Zeit vor 2.500 Jahren stehen geblieben zu sein scheint. Weitere 20 Minuten später erreiche ich dann den Fischerort San Marco di Castellabate und bin in meiner 2. Heimat angekommen.

 

Wiedersehensfreude mit alten Bekannten

Als erstes besuche ich immer Gianfranco, den Hoteldirektor des Approdo Resort Thalasso SPA. Große Wiedersehensfreude! Wir kennen uns seit 30 Jahren.

Damals hatte ich das kleine Hotel Il Castello im mittelalterlichen Bergdorf Castellabate gepachtet, Gianfranco hatte einen kleinen Tabaccaio (Tabakladen) gegenüber gemietet. Täglich haben wir den aktuellen Dorftratsch ausgetauscht. „Je kleiner das Dorf, desto mehr gibt es zu berichten“, lautet ein italienisches Sprichwort.

Danach treffe ich in der besten Gelateria des Dorfes Petra, die seit damals im Cilento geblieben ist, als ich wieder nach Deutschland zurück ging. Sie vermietet besondere Ferienwohnungen in der Tenuta Mezzorecchio und bietet Ausflüge und Wanderungen an, wie zum Beispiel „den Weg der Götter“. Auch mein Freund Carlo kommt zum Treffen, der damals bei mir im Hotel als best boy gearbeitet hat. Heute führt er die schöne Residenza d`Epoca 1861, ein Bed & Breakfast am Lungomare von Santa Maria di Castellabate. Weitere Bekannte, die zufällig vorbeikommen, setzen sich dazu. Es spricht sich schnell herum, dass ich vor Ort bin und so kommen immer mehr zum Treffpunkt.

Nach dem Eis ziehen einige weiter zur Bar Marina. Immer wenn ich da bin, besuche ich Pina, die Besitzerin der Bar. Sie ist 89 Jahre hat vieles ihrer Tochter übergeben, aber sie kommt jeden Tag in die Bar – „il bar e la mia vita“ „die Bar ist mein Leben“, sagt sie jedes Mal, wenn ich dort bin und sie treffe. Sie kennt auch meine Mutter und wir tauschen uns jedes Mal darüber aus, wie es bei Ihrem letzten Besuch war, der nun auch schon viele, viele Jahre zurückliegt.

Meine Mutter, die einfach anreiste, wann es ihr passte, ohne mir Bescheid zu sagen und ebenso wieder ohne Ankündigung abreiste.

 

Hinauf zum Bergdorf

Bergdorf im Cilento, Belvedere, Süditalien

Nachmittags fahre ich hoch ins Bergdorf Castellabate.

Castellabate thront wie ein Wachtposten über dem Küstenstädtchen Santa Maria di Castellabate und dem Fischerort San Marco. Eine Lage, die den meisten Orten im Cilento eigen ist. Sie schmiegen sich an einen Berg, dort fühlen sich die Bewohner geschützt vor übermäßiger Hitze und früher vor Raubüberfällen. Das kleine 800-Seelen-Städtchen liegt am Rande des Parco Nazionale del Cilento, dem zweitgrößten Nationalpark Italiens, der 1998 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt wurde.

Verwinkelte schmale Gassen, die mit Rundbögen überspannt sind, ein tunnelartiges Stadttor, durch das früher Vieh getrieben wurde, dazu mittelalterliche Fassaden, wohin das Auge blickt – im 1123 gegründeten Castellabate scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Auf steilen Treppenwegen gelangen wir zum Aussichtspunkt Belvedere, der Blick schweift über das Thyrrhenische Meer bis zur Insel Capri, wo abends die Sonne im Meer versinkt.

 

Dorftratsch auf italienisch

„Buona giornata“ rufen die kartenspielenden Männer vor der Bar La Piazetta freundlich zu. Da kommt auch schon Antonella aus der Bar auf mich zu. „Ben tornata“ ruft sie mir zu und lädt mich auf einen cafè in ihre Bar ein. Wir sprechen über die Ereignisse der letzten Zeit.

Zurück auf der Piazza, spricht mich einer der kartenspielenden Männer an und erzählt von den vielen Touristen, die im Sommer den Ort und die Region besucht haben. Wie schon zu den Zeiten der Römer ist die Küste zwischen der Punta Licosa und dem Capo Palinuro der Sommererholungsort der Neapolitaner. In der Runde der Männer muss ich an den kartenspielenden Ehemann meiner früheren Köchin Giovannina denken. Er hat jahrelang das gesamte Haushaltsgeld verspielt. Daraufhin hat sich Giovannina mit 62 Jahren scheiden lassen. Es ging ein Aufschrei durchs Dorf, ein absolutes no-go zur damaligen Zeit.

Cilento, Dagmar Merfort, Hafen, BootDer alte Mann mit dem Stoppelbart und seiner Katze, die er wie einen Schal um den Hals gewickelt trägt, hat mehr von der Welt gesehen als das kleine Städtchen Castellabate. „In den Sechzigern bin ich mit meiner Familie nach Stuttgart gegangen“, sagt er stolz in gebrochenem Deutsch. So hat es das halbe Dorf gemacht. In den Neunzigern seien viele wieder zurückgekehrt. Und seither besinnen sich die Menschen im Süden der Provinz Salerno auf die Schönheit ihres Cilento und setzen ganz auf den Fremdenverkehr.

Ich merke wie ich langsam beginne, meine Gedanken auf Italienisch zu formulieren und beim Sprechen in das typische süditalienische Gestikulieren zu verfallen…..Es fühlt sich einfach gut an, wieder hier zu sein…

 

>  Infos zu unserer Yoga Reise in den Cilento im Oktober 2018 finden Sie unter Yoga Urlaub Italien.

>  Infos zu unserer Business Reise in den Cilento Anfang Oktober finden Sie unter Business Reise.